Alle Pflanzen in den Gruppen Vātahara, Āmapācana, Gelenke, Rheuma
rāsnā
Rasna
Pluchea lanceolata (DC.) Oliv. & Hiern (API Vol. III); im Süden Alpinia galanga (L.) Willd. (Kulañjana, API Vol. V), Asteraceae (Pluchea); Zingiberaceae (Alpinia)
Rasna, Rayasan (Hindi); Kulanjan = Galgant, Indian Camphorweed (Pluchea); Greater Galangal (Alpinia), Grosser Galgant, Thai-Ingwer (Alpinia galanga), Arattai, Perarattai (Tamil) = Galgant, Weitere «Rasna»: Vanda roxburghii, Inula racemosa
Rasna ist die «am stärksten Vata senkende Pflanze» — bitter, schwer, erhitzend, die Hauptdroge der grossen Rheumarezepturen, hinter deren Namen sich je nach Region Pluchea oder der Grosse Galgant verbirgt. Was die Tradition sagt, was das Labor zu beiden zeigt, und warum die Identität die eigentliche Frage ist.
Zuletzt überprüft am 5. Oktober 2026, abgeglichen mit API, Anliker, Schrott-Lexikon, Zoller/Nordwig, Schrott/Ammon, Hegde/Harini.

Traditionelle Verwendung
Rasna ist rāsnā — ein Name, hinter dem sich in Indien je nach Region verschiedene Pflanzen verbergen. Die Ayurvedic Pharmacopoeia of India legt in Vol. III (Monographie 73) fest: Rāsnā sind die getrockneten Blätter von Pluchea lanceolata, einem grauen, filzig behaarten Halbstrauch aus der Familie der Korbblütler mit meterlangen Wurzelausläufern, der auf den Sandböden der oberen Gangesebene und Rajasthans wächst; als Inhaltsstoffe nennt sie die Flavonoide Quercetin und Isorhamnetin. In Südindien und Kerala aber ist Rāsnā der Grosse Galgant, Alpinia galanga — die Pharmakopöe führt ihn in Vol. V (Monographie 42) als Kulañjana mit dem ausdrücklichen Synonym «Rāsnā (South)» —, und andere Regionen verwenden Vanda roxburghii oder Inula racemosa. Die Sanskrit-Namen yuktarasā, sugandhā («die Wohlriechende») und elāparṇī («mit Kardamomblättern») passen zu allen; die Tradition selbst nennt Rāsnā «die am stärksten Vata senkende Pflanze» — und die Streitfrage ihrer Identität ist so alt wie die Nighaṇṭus.
Was die Tradition sagt
Rasna (Pluchea) schmeckt bitter (tikta), ist schwer (guru), erhitzend (uṣṇa) und hat scharfen vipāka — die schwere, wärmende Vata-Droge für Gelenke und Nerven. Ihr Karma nach der Pharmakopöe: āmapācana (Āma verdauend) und kaphavātahara. Die Anwendungsfelder heissen śotha (Schwellung), vātavyādhi (Vata-Leiden des Bewegungsapparats und der Nerven), śvāsa (Atemnot), kāsa (Husten), jvara (Fieber), udararoga (Bauchleiden), sidhma (eine Hautkrankheit), āḍhyavāta, āmavāta (rheumatische Leiden mit Āma) und vātarakta (Gicht). Dosis 25 bis 50 g für den Dekokt; klassische Zubereitungen sind Rāsnādi Kvātha, Rāsnairaṇḍādi Kvātha, Daśamūlāriṣṭa, Devadārvāriṣṭa und Kārpāsāsthyādi Taila — dazu Mahārāsnādi Kvātha und Rāsnā Saptaka Kvātha, die grossen Rheumarezepturen. Der Galgant (Kulañjana) hat ein ähnliches Profil: scharf und bitter, schwer, erhitzend, hṛdya, kaṇṭhya (dem Hals zuträglich), svarya (der Stimme zuträglich), gegen śvāsa, hikkā, pratiśyāya (Schnupfen), vātavyādhi und kaphaja kāsa, 1 bis 3 g Pulver. Was diese Begriffe bedeuten und warum sie sich nicht in moderne Diagnosen übersetzen lassen, erklärt der Artikel Wie das Ayurveda Krankheit denkt.
Die Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu (Harītakyādi-varga, Verse 163–164) nennt Rāsnā yuktarasā, rasyā, suvahā, rasanā, rasā, elāparṇī, surasā, sugandhā und śreyasī und fasst zusammen: Āma verdauend, bitter, schwer, erhitzend, Kapha und Vata brechend; sie vertreibe Schwellung, Atemnot, vātarakta, Vata-Kolik, Bauchleiden, Husten, Fieber, Gift, «die achtzig Vata-Krankheiten» und sidhma. Der Kommentar Chunekars notiert, dass Rāsnā «bis heute eine umstrittene Droge» sei, in Nordindien Pluchea lanceolata, im Süden Alpinia galanga, und dass sie in Rāsnādi und Mahārāsnādi Kvātha die Hauptdroge der Vata-Therapie ist; den Galgant führt die Bhāvaprakāśa gesondert als mahābharīvacā (Vers 205): wohlriechend, gegen Kapha und Husten, der Stimme zuträglich, Herz, Hals und Mund reinigend. Bei Caraka steht Rāsnā unter den vātahara-Drogen und in fast jeder Rezeptur gegen āmavāta — das rheumatische Leiden, das aus Āma und Vata entsteht. In seiner agrya-Liste (Sūtrasthāna 25/40) heisst es knapp rāsnā vātaharāṇām: Unter den Vata senkenden Mitteln ist Rāsnā das Vorzüglichste (Hegde und Harini).
Was Lehrbuch und Lexikon ergänzen
Sabine Anlikers Lehrbuch für die Höhere Fachprüfung (Kapitel 57) folgt der Pharmakopöe (Pluchea) in Steckbrief, Karma und Anwendungsfeldern, gibt als Dosis 25 bis 50 g für den Dekokt (auf 40 ml reduziert, 10 bis 20 ml zweimal täglich), als Droge die Blätter — keine Nebenwirkungen oder Kontraindikationen — und unter «Sonstiges»: «Rāsnā gilt als die am stärksten Vata verringernde Pflanze. Traditionell wird sie gegen alle nervösen und neuralgischen Störungen eingesetzt, v. a. bei der Entzündung des Ischiasnervs», auch als Abkochung für Einläufe. Das Heilpflanzen-Lexikon von Dr. Schrott führt Pluchea lanceolata mit 99 klassischen Zubereitungen und Alpinia galanga («die gut Riechende») als erwärmendes Magen-Darm-Tonikum, Antiasthmatikum, Rachentonikum und Antirheumatikum, 1 bis 3 g. Schrott und Ammon behandeln den Galgant (Kapitel 9): scharf und bitter, schwer, erhitzend, sattvisch, mit dem Prabhāva «halluzinatorisch in grossen Dosen», das Wurzelpulver mit Honig bei nervösen Herzbeschwerden, als Gurgelmittel bei Rachenentzündung — westlich verwandt mit dem europäischen Galgant, im Labor entzündungshemmend, blutzuckersenkend, zytotoxisch; Nebenwirkung: «Halluzinationen in grösseren Dosen». Zoller und Nordwig führen beide: Pluchea als Vata- und Kapha-Droge mit Rāsnā Saptaka Kvātha dreimal täglich bei Rheuma und Polyarthritis, dem Wurzelöl bei Mittelohrentzündung und Kälteempfinden, «keine Nebenwirkungen bekannt»; den Galgant mit 300 bis 600 mg Pulver, dem Wurzelstück zum Lutschen bei Halsentzündung — und der Nebenwirkung: «in hoher Dosis reizt die Droge wegen ihrer spitzen Eigenschaft die Magenschleimhaut und wirkt Pitta vermehrend».
Den Galgant, die südindische Rāsnā, führen Hans H. Rhyner und Birgit Frohn (Heilpflanzen im Ayurveda, 2006) unter den westlichen Heilpflanzen: leicht, spitz und trocken, scharf, erhitzend, scharfer vipāka, Vata und Kapha senkend, Pitta mehrend; in hohen Dosen reizt er die Magenschleimhaut. Als Magentee 1 bis 2 Teelöffel Wurzel auf 250 ml, bis dreimal täglich.
Forschungslage
Rasna ist die Rheumapflanze des Ayurveda — und in der Forschung vor allem ein Identitätsproblem.
Pluchea. Srivastava und Shanker (2012) haben Chemie und Pharmakologie von Pluchea lanceolata zusammengefasst: Flavonoide, Triterpene, Sterole; im Tierversuch entzündungshemmend, schmerzlindernd, antioxidativ — passend zur klassischen Anwendung, ohne Humanstudie zur Einzeldroge. Die ayurvedischen Rheumarezepturen mit Rasna (Rāsnādi Guggulu, Mahārāsnādi Kvātha) sind in kleinen indischen Studien bei āmavāta untersucht, meist unverblindet und als Mehrpflanzenpräparat.
Galgant. Alpinia galanga ist besser erforscht: Chudiwal et al. (2010) fassen Labor- und Tierdaten zusammen — antimikrobiell, entzündungshemmend, gegen Magengeschwüre, immunmodulierend; eine kleine kontrollierte Studie prüfte einen Ingwer-Galgant-Extrakt bei Kniearthrose (Altman und Marcussen, 2001) mit mässigem Effekt und Magenbeschwerden als Nebenwirkung.
Was fehlt. Eine gesicherte botanische Identität in Studien; kontrollierte Studien mit der Einzeldroge. Keine EMA- und keine Kommission-E-Monographie für beide.
Was die Forschung nicht hergibt. Es gibt keine in der Schweiz zugelassene gesundheitsbezogene Aussage für Rasna. Dieses Porträt berichtet, was untersucht wurde; es sagt nicht, was ein Produkt tut. Wie man solche Studien liest, erklärt der Artikel Wie man eine Studie liest.
Sicherheit
Rasna gilt als milde Droge — Anliker und Zoller/Nordwig nennen für Pluchea keine Nebenwirkungen; beim Galgant gelten die Regeln der scharfen Gewürze.
Pitta. Erhitzend und (Galgant) durchdringend: bei Hitzezuständen, Übersäuerung, Magenschleimhautreizung sparsam; Zoller/Nordwig: der Galgant reizt in hoher Dosis die Magenschleimhaut.
Grosse Dosen. Schrott/Ammon: der Galgant kann in grossen Dosen Halluzinationen auslösen — 1 bis 3 g Pulver nicht überschreiten.
Schwangerschaft. Keine klassische Warnung, keine modernen Daten — in Drogenmengen nur nach Rücksprache.
Identität. Wer Rasna kauft, kauft je nach Herkunft Pluchea, Galgant oder anderes; die Vedika-Präparate deklarieren die Art (Pluchea lanceolata bzw. Alpinia galanga).
Menge. Die Vedika-Präparate enthalten Rasna in Rezepturmengen — 154 mg wässriger Pluchea-Auszug je Tagesdosis (AyurFlex), 29 bis 33 mg Galgant (Vata Balance, Für die kalte Jahreszeit) — weit unter der Drogendosis; im Pirant Balm äusserlich.
Verwechslung. Wie umstritten die Droge ist, zeigen Hegde und Harini mit einer Liste von zehn Arten, die in Indien als Rāsnā verwendet werden: neben Pluchea lanceolata und Alpinia galanga auch Vanda tessellata, Viscum album, Withania coagulens, Aristolochia indica, Inula racemosa, Rauvolfia serpentina, Catharanthus roseus (Syn. Lochnera rosea) und Enicostema littorale. Der Rāja Nighaṇṭu kennt eine Wurzel-, eine Blatt- und eine Gras-Rāsnā, die sie mit Rauvolfia serpentina, Catharanthus roseus und Vanda tessellata gleichsetzen; für Südindien nennen sie Alpinia calcarata statt der Pharmakopöe-Art Alpinia galanga. Die deklarierte Art ist deshalb entscheidend.
Zubereitung und Formen
Die Pharmakopöe nennt 25 bis 50 g Pluchea-Blätter für den Dekokt oder 1 bis 3 g Galgantpulver; die Tradition gibt Rasna in den grossen Rheuma-Dekokten, im Guggulu, im Öl und im Einlauf. Im Vedika-Sortiment steht Rasna in fünf Präparaten — als Pluchea und als Galgant.
Als Pluchea lanceolata: AyurFlex (154 mg wässriger Auszug je Tagesdosis — neben Guggulu und Shilajit in der Gelenkrezeptur) und äusserlich Pirant Balm, Bio (Blattextrakt).
Als Alpinia galanga (Galgant): Vata Balance (33 mg), Für die kalte Jahreszeit (29 mg, mit Tulsi, Clerodendrum und Trikatu) und AyurDefence (als Nebenzutat neben Guduchi, Vasa und Ajowan).
Quellen
- The Ayurvedic Pharmacopoeia of India, Part I, Vol. III, Monographie 73 Rāsnā (Blatt, Pluchea lanceolata), S. 162–164; Vol. V, Monographie 42 Kulañjana (Rhizom, Alpinia galanga; Synonym «Rāsnā (South)»), S. 106–108. Ministry of AYUSH. pcimh.gov.in
- Bhāvaprakāśa Nighaṇṭu, Harītakyādi-varga, Verse 163–164 (Rāsnā; Nr. 50, mit Kommentar zur Identität) und Vers 205 (Mahābharīvacā/Kulañjana). Ausgabe Chunekar/Pandey, Chaukhambha Bharati Academy, Varanasi 2002, Buch-S. 76–77 und 46 (Teil 1, PDF-S. 48 und 31).
- Anliker, Sabine: Heilpflanzen Ayurveda Medizin. 3. Auflage, Trägerorganisation Ayurveda CH, 2023, ISBN 978-3-033-08908-2, Kapitel 57 Rāsnā, S. 132–133 — mit Verweis auf API Vol. III, Zoller/Nordwig und Schrott/Ammon.
- Ayurvedisches Heilpflanzen-Lexikon (Dr. Ernst Schrott, AyurVeda AG): Pluchea lanceolata (99 Zubereitungen); Alpinia galanga (9 Zubereitungen).
- Schrott E, Ammon HPT. Heilpflanzen der ayurvedischen und der westlichen Medizin. Eine Gegenüberstellung. Springer, Berlin/Heidelberg 2012, Kapitel 9, Alpinia galanga, S. 140–141.
- Zoller A, Nordwig H. Heilpflanzen der Ayurvedischen Medizin. Ein praktisches Handbuch. Haug, Stuttgart 1997 (5. Auflage Narayana 2026) — Pluchea lanceolata; Alpinia galanga.
- Srivastava P, Shanker K. Pluchea lanceolata (Rasana): Chemical and biological potential of Rasayana herb used in traditional system of medicine. Fitoterapia 2012; 83(8):1371–1385.
- Chudiwal AK, Jain DP, Somani RS. Alpinia galanga Willd. — An overview on phyto-pharmacological properties. Indian Journal of Natural Products and Resources 2010; 1(2):143–149.
- Altman RD, Marcussen KC. Effects of a ginger extract on knee pain in patients with osteoarthritis. Arthritis & Rheumatism 2001; 44(11):2531–2538.
- Swissmedic: Anhang 9 KPAV (Standardwerke) und Anhang 10 (Liste TAS), Stand 1.7.2023. swissmedic.ch
- Rhyner HH, Frohn B: Heilpflanzen im Ayurveda. AT Verlag, Baden und München 2006, ISBN 978-3-03800-279-6, Eintrag Galgant, S. 76–77.
- Hegde PL, Harini A. A Text Book of Dravyaguna Vijnana, Vol. II (nach dem NCISM-Lehrplan). Chaukhambha Publications, New Delhi 2023, S. 555–562 (Kap. 2.75 Rasna).
Dieses Porträt beschreibt eine Pflanze, nicht ein bestimmtes Produkt. Es ersetzt keine ärztliche Beratung.